Reinhard Schlagintweit: In Afghanistan. 1958-1961

In diesen Tagebüchern eines deutschen Diplomaten (mit einem Nachtrag von 1996) erleben wir Begegnungen mit einem Afghanistan, das in den Jahrzehnten des Krieges für immer verloren gegangen ist. Der Autor nimmt uns mit auf seine Fahrten und Wanderungen quer durch das Land – nach Sistan, durch das Hazaradschat nach Herat, Maimana und Mazar-e Scharif, ins Pandschschirtal und nach Nuristan, nach Kandahar und Chost, ins Außenministerium und zu Heiligtümern in und um Kabul. Mit einem feinen Blick und einem tiefen Verständnis und großer Begeisterung für Land und Leute.

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Im letzten Jahr meines Dienstes in der Türkei hatte ich bei der Personalabteilung in Bonn mein Interesse an einem Posten in Afghanistan angemeldet. Ich war gern in der Türkei und hoffte wohl, in Afghanistan eine Steigerung der für uns so anderen Welt des muslimischen Orients zu erleben. Von Afghanistan hatte ich keine Ahnung. Mich reizte das Unbekannte, Abenteuerliche, das ich mit diesem Namen verband. Als ich meiner Frau von meinem Wunsch berichtete, war sie nicht begeistert. Wir waren eine fünfköpfige Familie, das jüngste Kind war noch keine zwei Jahre alt. Gerade zu dieser Zeit gab es einen ernsten Konflikt zwischen Afghanistan und seinem Nachbarn Pakistan. Pakistan sperrte zeitweise den Khaiber-Pass, den wichtigsten Grenzübergang; häufig mussten Transitgüter nach Kabul wochenlang auf die Genehmigung zur Weiterfahrt warten. Für eine Mutter von drei Kindern war das nicht besonders verlockend. Nach ein paar Wochen, als keine weiteren Alarmnachrichten mehr eintrafen, sagte sie: „Also wenn du so gerne nach Afghanistan willst — ich komme mit. Das schaffen wir schon.“

Kabul war mein und meiner Familie Lieblingsposten in einer mehr als 40 Jahre dauernden Tätigkeit im Ausw“artigen Dienst. Nicht nur uns ging es so. Ich kenne niemand, der damals in Afghanistan lebte und nicht sein Leben lang von diesem Land und seinen Menschen schwärmte. Die großartige, unzerstörte Landschaft hatte etwas zu Herzen und zur Seele gehendes. In Kabul wurde unser jüngster Sohn geboren. Wir unternahmen wunderbare Reisen und genossen die natürliche Gastfreundschaft, die uns überall entgegengebracht wurde. Meine Frau weinte, als sie Ende 1961 das Flugzeug nach Deutschland bestieg. Auch mich hat Afghanistan seither nicht wieder losgelassen.

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